19.09.2026

Sardinien auf zwei Rädern: mein Gastro-Rückblick

Eine Woche Sardinien bedeutete für uns vor allem Bewegung, Hitze und viele Höhenmeter. Dass dabei auch kulinarisch einiges in Erinnerung bleiben würde, zeigte sich bereits nach den ersten Stopps in den kleinen Restaurants der Insel.

Als ältestes Mitglied im GaPlan-Team war ich, Klaus Mosimann, mit meiner Frau Antonia auf dem Mountainbike in Sardinien unterwegs. Bei über 36 Grad ging es an manchen Tagen ordentlich bergauf, und wer schon mal bei dieser Hitze einen Anstieg gefahren ist, weiss, was das bedeutet. Dafür gab es als Belohnung Olivenhaine, staubige Trails, dornige Wege und schattige Eichenwälder. Landschaftlich mindestens so abwechslungsreich wie das, was danach auf dem Teller lag.

Und weil man bei uns im Team weiss, dass wir Gaplanianer meistens nach jeder Reise mit kulinarischen Eindrücken zurückkommen, hier mein Bericht mit Blick auf die sardischen Gastronomie-Erlebnisse.

Was auf Sardinien auf den Tisch kommt

In den kleinen Restaurants im Landesinneren war die Küche einfach, aber sehr gut. Teigwaren, Eintöpfe, Lasagne mit Fleisch, Fisch oder Gemüse, je nachdem, was gerade da war. Typisch für Sardinien ist auch das hauchdünne Brot Pane Carasau, oft auch Carta Musica genannt. Es knuspert bei jedem Bissen und gehört auf vielen Tischen ganz selbstverständlich dazu. Näher am Meer wurde es maritim, Tintenfisch und Meeresfrüchte standen praktisch überall auf der Karte. Wildschwein, auf Sardinien als Cinghiale bekannt, durfte ebenfalls nicht fehlen. Nur dort, wo sich die Touristen drängten, hat die Pizza überhandgenommen. Für mich eher ein Warnsignal als eine Empfehlung.

Besonders gefallen haben mir einige typische Spezialitäten der Insel. Pecorino Sardo wurde schnell zu meinem Lieblingsschafkäse. Dazu gab es oft Cannonau, einen herrlichen sardischen Rotwein, der meist leicht gekühlt serviert wird. Und nach praktisch jedem Essen musste noch eine Seadas sein: eine süsse Teigtasche mit Käsefüllung, übergossen mit warmem, flüssigem Honig.

Wenig Technik, viel Leidenschaft

Spannend fand ich, wie diese Gastronomien überhaupt funktionieren. Meist ein einfacher Gasherd mit vier bis acht Platten, dazu eine Fritteuse und ein Grill, mehr nicht. Die Kühlung lief über einzelne Kühlschränke statt über grosse Kühlräume. Tische und Geräte wurden je nach Bedarf zusammengeschoben. Kein Schnickschnack, aber es hat funktioniert. Ich musste dabei ehrlich gesagt an unseren eigenen Küchenalltag denken, manchmal reicht eben weniger, als man denkt.

Ein Detail am Rand: Die EU-Regeln gegen Plastikröhrli sind zwar da, in der Praxis liegen trotzdem oft ein bis zwei Röhrli bei jedem Getränk dabei, vor allem bei den Süssgetränken aus der Dose. Olivenöl und Balsamico kommen vielerorts in kleinen Plastikportionen auf den Tisch. Diese können theoretisch von überall herstammen. Wo hingegen Flaschen verwendet werden, stammt das Öl meist direkt aus der Region. Schade, denn die Auswahl an hervorragenden sardischen Olivenölen wäre sehr gross.

Was mich ebenfalls beeindruckt hat, war das kristallklare und saubere Meerwasser. Nach einem heissen Tag im Sattel gab es kaum etwas Schöneres als eine Abkühlung im Meer.

Zwischen Blue Zone und Bike-Trail

Was mich nicht erstaunt: Menschen in der sardischen «Blue Zone» werden nicht nur besonders alt, sondern bleiben im Alter auch geistig fit und zufrieden. Neugier, emotionale Stärke und ein lebendiges Sozialleben gehören zu ihrem Rezept. Nach einer Woche mit feinen sardischen Gerichten, gutem Wein, viel Bewegung im Sattel und unzähligen Espressi kann ich das gut nachvollziehen.

Mein Fazit: Sardinien lohnt sich, solange man den Touristenpfaden nicht zu treu bleibt und die Anfahrt mit den doch in die Jahre gekommenen Fähren «locker» nimmt. Und wie in Italien üblich, gehört auch hier zum gelungenen Abschluss eines Essens fast immer ein Espresso.

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